Derzeit konzentrieren sich die Medien wieder auf blanke Zahlen; die Zahl der Neuinfektionen pro Tag, die Zahl der Verstorbenen pro Tag oder die Zahl der freien Betten auf Deutschlands Intensivstationen. Dazu dreht sich die Berichterstattung zunehmend um die näher rückende Möglichkeit einer Impfung und was die Gegner eben einer solchen Impfung dazu beizutragen haben.

Eine Zahl wird hierbei aber gerne außer Acht gelassen; die Zahl der Genesenen. Diese Zahl wird vom Robert-Koch-Institut im täglichen Lagebericht für die deutsche Bevölkerung aktuell (24.11.2020) mit ca. 636.700 angegeben. Doch was sich hinter dieser Zahl verbirgt, darüber wird kaum berichtet. Wandeln all diese Genesenen symptomfrei unter uns und freuen sich, die Infektion überstanden zu haben? Forscher der Universität Nijmegen in den Niederlanden um Dr. von den Borst haben Patienten nach einer durchgemachten SARS-CoV-2-Infektion innerhalb von drei Monaten nach ihrer ausgestandenen Infektion untersucht und die Ergebnisse in einer Studie veröffentlicht (van den Borst B. et al. https://doi.org/10.1093/cid/ciaa1750). Hierbei wurden 97 Patienten untersucht, die einen stationären Krankenhausaufenthalt (sowohl Intensiv- als auch Normalstation) aufgrund ihrer Infektion mit SARS-CoV-2 durchlaufen haben und 27 Patienten, die aufgrund eines milden, aber länger als 6 Wochen anhaltenden Verlaufes ihre Erkrankung zu Hause auskurieren konnten.

Insgesamt wurden also 124 Patienten nachkontrolliert und zwar unter ganz verschiedenen Gesichtspunkten: Es wurden objektive Daten erhoben, wie zum Beispiel Röntgenbilder des Lunge, ein Gehtest, sowie verschiedene Parameter zur Beurteilung der Lungenfunktion. Parallel dazu wurden auch verschiedene Fragebögen erhoben, in denen sich die Patienten subjektiv bezüglich ihrer körperlichen und mentalen Verfassung selber einschätzen konnten. Alle Patienten wurden zuvor bezüglich ihrer Infektion mit SARS-CoV-2 nach einem Schema der Weltgesundheitsorganisation in vier Kategorien (mild, moderat, schwer, kritisch) eingeteilt, die den akuten Verlauf der Erkrankung beurteilen soll.

Bei den Patienten, die stationär behandelt wurden zeigte die Kontroll-Computertomographie bei fast allen Patienten eine Verbesserung des Befundes, aber ebenso bei 91% noch krankhafte Veränderungen der Lunge. Insgesamt hatten sich bei 42% der entlassenen Patienten einige Parameter der Lungenfunktion zwar verbessert aber noch nicht wieder erholt.

Bei den Fragebögen zeigen sich noch viel gravierende Einschränkungen. Durchweg ein hoher Anteil aller Patienten gab ein Gefühl der Erschöpfung, funktionelle Einschränkungen im Alltag und eine generelle Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität an. Auffallend war, dass hierbei vor allem Patienten mit einem milden Verlauf diese Angaben machten.

Die Daten der niederländischen Forscher decken sich zu einem großen Teil mit denen, die bereits in einer Studie in China erhoben wurden. Warum es trotz objektiver Verbesserungen des Gesundheitszustandes zu anhaltenden Einschränkungen der Lebensqualität bei so vielen Patienten kommt, muss in weiterführenden Studien untersucht werden. Hierzu empfehlen die Autoren einen längeren Beobachtungszeitraum und eine größere Patientenanzahl.

Die Studie legt eindrucksvoll dar, dass sich die Gesundheitsprobleme der SARS-CoV-2-Pandemie nicht nur auf die akute Erkrankung beziehen. Viele offiziell als genesen betrachtete Patienten haben anhaltende Einschränkungen ihrer Lungenfunktion und vielmehr noch ihrer Lebensqualität. Auch diese Problematiken dürfen wir nicht außer Acht lassen.

Meine Quellen:

van den Borst B. et al. https://doi.org/10.1093/cid/ciaa1750

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