Impfstoff gegen SARS-COV-2: Immunantwort nach Impfung mit mRNA-1273 hält nach drei Monaten noch an

Die ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO) bereitet derzeit Empfehlungen zur Verteilung des Impfstoffes gegen SARS-CoV-2 vor. Welche Bevölkerungsgruppen sollen den Impfstoff als erstes erhalten? Denn es ist natürlich klar, dass die Verfügbarkeit zu Beginn noch gering ist. Die verschiedenen Firmen müssen die Produktion nach monatelanger Entwicklung hochfahren und Fertigungs- sowie Transport- und Lagerungsprozesse optimieren. Es gilt einen hohen Standard an Qualität in der gesamten Herstellungskette einzuhalten.

Dazu kommt die immer wiederkehrende Debatte von Impf-Befürwortern und Impf-Gegnern.Es wird also Zeit, sich die Fakten zu den Impfstoffen etwas genauer anzuschauen und mir stellen sich dabei sofort einige Fragen.

Wie lange bin ich durch den Impfstoff geschützt? Schützt der Impfstoff nur vor einem schwerwiegenden Verlauf oder sogar vor einer Infektion? Wirkt der Impfstoff unabhängig vom Alter des Impflings gleich? Welche Nebenwirkungen kann eine solche Impfung mit sich bringen?

Auf einige dieser Fragen möchte ich im folgenden Artikel näher eingehen. Leider lassen sich bisher aber noch nicht alle Fragestellungen mit Sicherheit beantworten, da es für viele Antworten einen langen Beobachtungszeitraum braucht. Diesen haben wir natürlich noch nicht. Aber es gibt bereits Tendenzen und vielleicht gelingt es uns bereits heute mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen.

Wir sprechen heute hauptsächlich über einen Kurzartikel, erschienen im New England Journal of Medicine, einem der wichtigsten medizinischen Fachjournale weltweit.

Im Artikel geht es um den Impfstoff mRNA-1273 der US-amerikanischen Firma Moderna. Dieser befindet sich in der Phase-3-Studie und Moderna hat im November die Zulassung in der EU beantragt. Wir können heute im Artikel nicht auf die Phasen der Zulassung eines Medikamentes oder Impfstoffes eingehen, da dies den Rahmen sprengen würde. Am Rande sei kurz erwähnt, dass es im Zulassungsverfahren insgesamt vier Phasen gibt. In Phase III geht es vor allem darum, einen Wirkungsnachweis zu erbringen. Die richtige Findung der Dosis, Sicherheit und Verträglichkeit sind bereits in Phase I und II untersucht worden. Bevor ein Arzneimittel also in Phase III eintritt, muss seine Verträglichkeit und Sicherheit bereits überprüft worden sein. Ein Pharmaunternehmen muss, sobald es die Zulassung für einen Markt beantragt solche Nachweise erbringen. Zur Zeit prüft die EU diese Zulassung und wird sich auch intensiv die bisherigen Studien anschauen.

Wie bereits im Namen steht handelt es sich um einen mRNA Impfstoff. Diese mRNA ist ein kleiner einzelsträngiger Schnipsel aus Nukleinsäuren, die eine vorübergehende Kopie eines Gens darstellt. Die mRNA-1273 wird von den menschlichen Zellen aufgenommen und beinhaltet den Bauplan für ein Spike Protein des Corona-Virus. Das Spike-Protein ist eine Struktur auf der Oberfläche des Virus. Das heißt vereinfacht, dass unsere Zellen ausschließlich diese Oberflächen-Struktur des Virus nach Aufnahme des mRNA-Impfstoffes produzieren, nicht aber das gesamte Virus. Unser Körper erkennt diese Oberflächen-Struktur als fremd, reagiert mit einer Immunantwort und bildet Antikörper, die an des fremde Protein binden und es neutralisieren sollen. Da der Körper nun Kontakt zu der fremden Oberflächenstruktur hat zirkulieren diese Antikörper im Blutkreislauf. Dazu gehören noch viele weitere Immunmechanismen mit T- und B-Zellen, Gedächtniszellen und so weiter und so weiter. Das Prinzip ist aber klar. Da nun die Antikörper im Blutkreislauf zirkulieren, erkennen diese im Falle einer Infektion mit SARS-CoV-2 die Oberflächenstruktur wieder, binden am Virus und neutralisieren es.

Hierfür entscheidend ist auch die Anzahl der gebildeten Antikörper und wie lange diese im Blut zirkulieren. Es nützt nichts, wenn nach der Impfung bereits nach ein paar Tagen alle Antikörper wieder verschwunden sind. Der Artikel beschreibt, dass nach einer Erstimpfung nach 28 Tagen eine Zweitimpfung (Boosterung) vorgenommen wurde. Die Testpersonen wurden altersabhängig in drei Gruppen eingeteilt. Zur ersten Gruppe gehören die 18-55 Jahre alten Testpersonen, die zweite Gruppe umfasst die 56 bis 70 Jahre alten Testpersonen und in Gruppe drei sind die über 70-Jährigen. Zu mehreren Zeitpunkten aber unter anderem auch 90 Tage nach der Zweitimpfung hat man den Probanden Blut abgenommen und untersucht, wie viele Antikörper noch vorhanden sind. Hierbei wurde in allen Altersklassen zwar eine leichte Abnahme, aber dennoch ein hohes Level an Antikörpern gefunden. Das ist ein Hinweis dafür, dass sich durch die Impfung eine längerfristige Immunantwort gebildet hat. Natürlich muss man das weiterhin über einen längeren Zeitraum beobachten. Wichtig ist auch der Hinweis, dass die Antikörperbildung in allen Altersgruppen erfolgt. Auch Personen höheren Alters scheinen von einer Impfung zu profitieren.

Zudem hat man bei keiner Testperson ein severe adverse event mit der Impfung in Zusammenhang bringen können. Severe adverse events sind schwere unerwünschte Ereignisse, die bei einer Medikamentenstudie auftreten können, die zum Beispiel einen Krankenhausaufenthalt oder den Tod einer Testperson zur Folge haben. Hierzu eine kleine Anmerkung: bei jedem Medikament oder Impfstoff werden alle gemeldeten Nebenwirkungen, die mit der Verabreichung in Verbindung gebracht werden auch nach der erfolgten Zulassung weiterhin beobachtet und bewertet.

Insgesamt halte ich diese Neuigkeiten für sehr hoffnungsvoll. Die Studien beweisen noch nicht, ob eine Infektion verhindert werden kann. Das muss man ganz klar so sagen, aber sie machen es sehr wahrscheinlich. Zudem hat es bisher keine schwerwiegenden Nebenwirkungen einer Impfung gegeben.

Zum Abschluss noch ein paar wichtige Anmerkungen:

Erstens, die Genkopie mRNA-1273wird nicht in das menschliche Genom eingebaut und verändert somit das menschliche Erbgut nicht. Die mRNA dient als Bauplan für die Virus-Oberflächen-Struktur und wird nach einer Weile vollständig abgebaut.

Zweitens, es gibt mehrere Hersteller mit unterschiedlichen Impfstoffen. Darunter auch mRNA-basierte Impfstoffe, wie z.B. jener von BioNTech/Pfizer, welcher in UK bereits eine Notfallzulassung erhalten hat. Für jeden Impfstoff werden eigene unabhängige Studien und Zulassungen durchgeführt.

Somit steht für mich nach der Zulassung eines Impfstoffes (unabhängig vom welchem Hersteller) für EU/ Deutschland fest : Sollte ein Impfstoff für mich verfügbar sein, dann werde ich mich auch impfen lassen.

Bleibt gesund!

Meine Quellen sind:

New England Journal of Medicine 2020: DOI: 10.1056/NEJMc2032195